Ich habe viele Jahre in der Technologieentwicklung eines großen Energiewendeunternehmens gearbeitet, eine lange Zeit davon auch in leitenden Positionen. Die Geräte, an denen wir dort gearbeitet haben, stehen heute in aller Welt. Ich selbst habe nur im Labor erlebt, wie sie ans Netz gehen. An der Installation oder der Inbetriebnahme vor Ort war ich damals nicht wirklich beteiligt.
In diesen Jahren wurde mir immer klarer, dass die Energiewende nur als Ganzes gelingt, also zusammen mit der Wärme- und der Mobilitätswende. Wir kennen das unter dem Begriff Sektorkopplung, ich bevorzuge den Begriff der Integralen Energiewende, in der die Sektoren als ein System gedacht werden.
Wie schön, dass wir mit einem NurStromHaus, also im dezentralen Bereich, dieses Ziel heute schon Realität werden lassen können.
Ausgerechnet in den Städten, auch hier in Kassel, kommen wir nur langsam voran. Bis heute wird die Energiewende zum großen Teil auf dem Lande umgesetzt. Dabei wohnen hier die meisten Menschen, und auf den Dächern ist noch viel Platz, die Akzeptanz ist riesig und die Strukturen sind da. Genau da will ich ansetzen.
Der Bundesdurchschnitt liegt bei 1,48 kW, der hessische bei 0,94 kW. Kassel kommt auf nicht einmal ein Drittel des Bundeswerts. Ländliche Kreise liegen weit darüber, der Vogelsbergkreis etwa auf 2,52 kW, das Sechsfache.
Angefangen habe ich in der Coronazeit, zuerst mit einer Sammelbestellung für Balkonkraftwerke unter Freunden und Kollegen. Dann entstand in meiner kleinen Werkstatt ein zusammenklappbares Gestell aus Holz, mit dem ein Solarmodul nicht nur auf den Balkon passt, sondern auch in den Garten, überall dorthin, wo Sonne hinkommt. Das erste Mini-Kraftwerk außer Haus habe ich damit auf der Dachterrasse eines Freundes gebaut.
Mir ging es dabei um eine Konstruktion, die jeder leicht nachbauen kann; ein kleines Excel-Werkzeug passt die Maße an jedes Modul an, die Visualisierung dazu hat meine Tochter programmiert. Diese Bauanleitung wollte ich frei weitergeben, fand damals aber keinen Weg dafür. Vielleicht wird diese Website der Ort dafür.
Aus dem sich Ausprobieren wurde eine erste Aufgabe. Doch zuerst musste ich als Ingenieur die entsprechenden Lehrgänge absolvieren, damit mich der hiesige Netzbetreiber in sein Installateurverzeichnis aufnahm. Erst so darf ich elektrische Anlagen in Betrieb nehmen und ans Netz bringen, auch in den Netzgebieten anderer Betreiber.
Zunächst nahm ich für ein Startup reine Photovoltaikanlagen in Betrieb. Dort ging es allein um den Strom vom Dach, die weitergehenden Fragen kamen zu mir. Was passiert mit dem Strom, der tagsüber nicht gebraucht wird? So wurde die Nachrüstung von Speichern zu einem weiteren Schwerpunkt: Sie holt aus einer vorhandenen Anlage heraus, was sie wirklich wert ist. Von dort war es nicht weit zur Wallbox fürs Elektroauto. Bald merkte ich, dass immer öfter die Wärmepumpe nachgefragt wurde, und machte den Planerlehrgang für Wärmepumpen in Wohngebäuden nach VDI 4645. Das zog das Nächste nach sich: Wer eine Wärmepumpe richtig auslegt, muss zuerst beurteilen, ob das Gebäude dafür taugt. Als diese Frage immer drängender wurde, kam die Ausbildung zum Energieeffizienz-Experten dazu.
So ist aus der reinen Installation Schritt für Schritt eine ganzheitliche Beratung geworden. Für jeden Kunden recherchiere ich gründlich und denke voraus, dann wähle ich eine zugeschnittene Lösung, die lange trägt und sich später erweitern lässt.
Beratung, Planung und Anmeldung liegen bei mir; für die Umsetzung vor Ort arbeite ich mit erfahrenen Fachbetrieben zusammen und baue mir ein festes Netz von Partnern auf.
Meinen eigenen CO2-Fußabdruck habe ich nach meiner Rechnung schon ausgeglichen, an dem meiner Familie arbeite ich gerade. Als Nächstes will ich möglichst vielen Menschen in der Stadt ermöglichen, dasselbe zu tun. Wo viele zur Miete wohnen, gelingt das oft nur gemeinsam. Inzwischen erreichen mich die ersten Anfragen aus kleineren Stadthäusern, in denen mehrere Parteien unter einem Dach leben. Wie sich der Sonnenstrom dann gerecht auf alle verteilen lässt, rechne ich längst durch. Es ist genau die Art Aufgabe, die mich reizt. All dies entfaltet nur seine Wirkung, wenn Anlagen wirklich gebaut werden. Deshalb ist für mich der wertvollste Moment immer noch der, in dem eine Anlage ans Netz geht.